
Wertvolle Stickkunst aus Goldmetall
Segensvelum der Kirche St. Peter in Endingen restauriert
Mehrere hundert Stunden hatte es gebraucht, bis alle Fäden geknüpft waren. Straff gespannt wirkten Sie fast kristallin und doch hauchzart. Die Künstlerin Elke Maier verwandelte den Blick in das gotische Kirchenschiff des Freiburger Münsters und ermöglichte mit ihrer Fadeninstallation ungeahnte, fast spirituelle Erfahrungen. Über 10.000 Fäden hatte sie von einem Ende des Raumes zum anderen gesponnen. Dafür war die leidenschaftliche Bergsteigerin bis in schwindelerregende Höhen geklettert. „Ich besetze keinen Raum, ich mache ihn sichtbar“, sagt sie und nennt ihre faszinierende Installation „Sichtbar – unsichtbar“.
Weißes Nähgarn hatte die Künstlerin eingesetzt und dabei in sechs Wochen mehrere Kilometer im Kirchenschiff zurückgelegt. Sie war dabei mit den Fäden dem Lichteinfall gefolgt und hatte diese an Gittern, Säulen oder im Chor verknotet. Der Effekt: Die Fäden wirkten wie Lichtstrahlen und lenkten die Wahrnehmung in die Weite des Raumes. Dass die Installation mitten im Alltagsbetrieb des Münsters stattfand, war Teil des Konzepts. So konnten viele Besuchende der Künstlerin bei der Arbeit zuschauen. Die Installation war mehrere Monate zu sehen, doch schon der sechswöchige kontemplative Entstehungsprozess faszinierte die Besuchenden und bot ihnen neue Raumerlebnisse im Münster.
Fragilität und Halt, diesen Spannungsbogen transportierte die hauchdünne Fadenkunst der 1965 geborenen und in Österreich lebenden Elke Maier auf bewegende Weise. Für die Erzdiözese Freiburg war eine solche zeitgenössische Kunstinstallation im Münster eine gelungene Premiere, allein auf der Vernissage waren 600 Besuchende.
Die Erzbischof Hermann Stiftung förderte die Installation sowie einen Begleitfilm.
Fotos: Klaus Polkowski



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